Der Balkan, Teil 1

Der Balkan, Teil 1

Der Balkan Teil 1: Plitvice

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Da ich die letzten Tage Blog-technisch nicht gar so aktiv war, will ich mal versuchen in den folgenden Einträgen einige Ereignisse zusammen zu fassen. Hier Teil 1, Teil 2 und 3 folgen alsbald! 🙂

21.08.2015, Zagreb, Ruhetag, 19 Kilometer
22.08.2015, Zagreb – Plitvice, 124 Kilometer
23.08.2015, Plitvice – Obrovac, 108 Kilometer

Pause in Zagreb

In Zagreb gönne ich mir einen Tag Pause zum Regenerieren, Fotos sortieren, Tagebuch schreiben und Wäsche waschen. Im Hostel lerne ich Sami kennen, der mich noch am Abend meiner Ankunft in der Küche direkt anquatscht. Er studiert in Tschechien und wartet hier nur darauf, dass sein Visum und seine Aufenthaltserlaubnis verlängert werden. Mit Sami verbringe ich auch am nächsten Tag einige Zeit und während wir in der Bar nebenan ein Bier trinken zeigt mir Sami seinen Pass – ich habe noch nie einen US Pass gesehen – und wir witzeln gemeinsam über die heroische Aufmachung. Es tut gut mal wieder unter Leuten zu sein. Abends fahre ich noch ein Stück aus Zagreb raus und übernachte ruhig und ungestört auf einem Feld etwa 1 km abseits der Hauptstraße.

Einer der 10 schönsten Orte der Welt?

Ich hatte vorher nur ein paar Bilder davon gesehen, alles völlig übertriebene HDR Aufnahmen mit total übersättigten Farben, trotzdem faszinierend. Irgendwo wurde behauptet, es sei einer der 10 schönsten Orte der Welt. Die Seenlandschaft im Nationalpark bei Plitvice. Und da ich auf meinem Weg ohnehin dort vorbeikomme, gucke ich doch mal nach ob das auch stimmt.

Der Tag und der Weg dorthin vergehen recht ereignislos, die Landstraße schlängelt sich durch endlose Maisfelder, irgendwann geht es kontinuierlich bergauf, rechts und links im Wechsel Felsen und dichter Wald. Man sieht nichts von der Umgebung und ich vertreibe mir die Zeit mit ein bisschen Musik. Irgendwann macht die Straße eine enge Biegung, die Felswand, die eben noch rechts aufragte, wird niedriger, fällt schließlich nach unten hin ab, und man schaut auf die Dächer eines Örtchens namens Slunj. Es fällt direkt auf, dass zwischen den Häusern kleinere und größere Bäche verlaufen, die über Terrassen ins Tal hinabplätschern und sich unten wieder zu einem Fluss vereinen. Manche Häuser stehen wirklich fast komplett im Wasser und sind nur über einen Steg zu erreichen. Das Ganze könnte locker die Kulisse irgendeines Herr der Ringe oder Hobbit Films sein. Obwohl…nee, dafür ist es nicht düster genug.

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Man sagt, dass der Ort Slunj ein bisschen wie ein Vorgeschmack auf die Plitvicer Seen ist. Und da ist das mit der Filmkulisse gar nicht weit hergeholt, denn tatsächlich wurde zum Beispiel Karl Mays Schatz im Silbersee nicht irgendwo im wilden Westen, sondern genau dort, in Plitvice, im See versenkt. Also, weiter, muss ja was zu bieten haben dieses Plitvice.

Eine Nacht im Wald

Von Slunj aus ist es nicht mehr weit, nach ca. anderthalb Stunden fahre ich am ersten von zwei Eingängen zum Nationalpark Plitvice vorbei. Sami hatte schon erwähnt, dass man hier Eintritt bezahlen muss, mit umgerechnet rund 30 Euro hätte ich aber dann doch nicht gerechnet. Hier, um den Bereich des Eingangs, gruppieren sich Campingplätze, Hotels, billige Restaurants und Souvenirshops. Ein absoluter Touristen-Hotspot. Um die 1 Million Besucher zählt der Nationalpark jährlich.

Ich bin auf jeden Fall erstmal abgeschreckt und da es ohnehin schon dunkel wird fahre ich erstmal weiter um mir ein Platz zu schlafen zu suchen. Sieht schlecht aus. Wieder links und rechts nur Felswände. Irgendwann kommt dann doch zu meiner Rechten ein kleines Waldstück, also biege ich dort ab und schiebe das Fahrrad an einer etwas lichteren Stelle in den Wald. Zelten darf man hier natürlich nicht, also lege ich mich einfach so mit der Isomatte an einer geeigneten Stelle hin. Wird wohl hoffentlich nicht regnen. Etwa 100 Meter unterhalb meines Schlafplatzes bemerke ich einen kleinen Weg, auf dem noch ab und zu ein paar vereinzelte Besucher des Parks entlang hasten. Der Park schließt jeden Moment. Ob dieser Weg zu dem zweiten Eingang führt?

In der Nacht bekomme ich zu spĂĽren, dass hier auf ca. 1000 Metern und durch das Dinarische Gebirge von der mediterranen Adria-KĂĽste getrennt noch ein ganz anderes Klima herrscht als ich es bisher aus Kroatien kannte. Es ist wirklich saukalt. Immer wieder wache ich bibbernd auf und ziehe mir nach und nach fast alle Klamotten an, die ich dabei habe. Und noch ein T-Shirt. Und noch das Vlies. Verdammt, wo sind die dicken Socken??? FĂĽr so was taugt mein leichter Sommerschlafsack wirklich gar nichts.

Ich fühle mich an den kleinen „Survival“-Trip erinnert, den ich vor einigen Jahren mit ein paar Kumpels im Reinhardswald gemacht hatte. Es war Anfang März und nachts noch um den Gefrierpunkt. Und ich war natürlich der einzige Doofe, der sich an die Regeln gehalten und außer einem Messer und einer Flasche Wasser als Notreserve nichts mitgenommen hatte. Während die andern gemütlich in ihren dicken Schlafsäcken schlummerten, lag ich zähneklappernd auf dem aus Ästen und Tannenzweigen improvisierten Lager wach. Irgendwann machte ich mir ein Feuer an, das mich solange warm hielt bis es heruntergebrannt war und ich aufstehen und neues Holz zusammensuchen musste.

Ganz so arg ist es diesmal nicht, mit dem Zwiebelschalen-Prinzip geht es irgendwann und ich schlafe zumindest noch mal drei Stunden durch.

Der frühe Vogel…

Morgens bin ich um halb sechs auf den Beinen, seit einer halben Stunde ermahnt mich zwei Bäume weiter das Klopfen eines Spechts lautstark, die elende Faulenzerei endlich dranzugeben. Und ich will ja mal gucken wo dieser Weg hinführt…und dann vielleicht doch weiter zum zweiten Eingang und in den Park? Die 30 Euro sind mir eigentlich zu viel und ich habe kein Bock, mich in die Touristenströme einzureihen. Naja, erstmal jetzt hier gucken. Ich gehe runter zu dem Weg und komme bald an einer kleinen Aussichtsplattform vorbei, von der man schon einmal von weit oben einen Blick hinunter auf einen Teil der Seen werfen kann. Sieht ja schon mal nicht schlecht aus. Der Weg führt kontinuierlich bergab, über Stufen durch eine kleine Höhle, und eh ich mich versehe stehe ich plötzlich auf einem Steg, direkt an einem der Seen. Huch, jetzt bin ich doch glatt aus Versehen irgendwie in den Park eingedrungen. Naja…wo ich schon mal hier bin…

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Die insgesamt 16 einzelnen Seen entstehen durch verschiedene teils ober-, teils unterirdische, sich durch poröses Kalkgestein fressende Zuflüsse und liegen alle auf unterschiedlichen Niveaus. Sie sind getrennt durch kleine Terrassen bzw. Barrieren, über die das Wasser von See zu See in kleinen Wasserfällen plätschert. Das Wasser ist wirklich außergewöhnlich leuchtend türkis und die gesamte Szenerie tatsächlich einzigartig malerisch. Einzig die überall, teilweise quer über die Seen, an den kleinen Wasserfällen vorbei verlaufenden Stege stören das Bild beträchtlich. Sie wirken wie ein Fremdkörper in dieser Idylle und vermitteln einem förmlich, dass man hier bitte seinen Eintritt zahlen, die vorgegebenen Wege schreiten, brav seine Fotos schießen, vielleicht dann noch an einem der Imbisse ne fettige Pommes essen und dann bitte wieder schleunigst verschwinden soll. Ein weiteres Beispiel wie Tourismus eigentlich tollen Orten den Reiz nehmen kann. Andererseits muss man sich natürlich fragen, ob solche einzigartigen Plätze, einmal entdeckt, nicht durch unkontrollierten Tourismus möglicherweise völlig zerstört würden. Nicht umsonst ist hier z.B. ein striktes Badeverbot verhängt und mit hohen Strafen um die 500 Euro belegt.

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Ich laufe noch etwas umher, genieĂźe die Ruhe – um diese Uhrzeit bin ich dort komplett allein – und lasse die Landschaft auf mich wirken, bevor ich den Weg zurĂĽck nach oben in den Wald laufe, und meinen Hintern wieder auf den Sattel schwinge. Erstmal grob Richtung Zadar, ich will zur KĂĽste, endlich zum Meer. Noch zwei Tage dann mĂĽsste ich da sein.

3 Gedanken zu “Der Balkan, Teil 1”

  1. Hey Dominik,

    die Reiseberichte sind echt der Hammer…..kann es kaum abwarten das du was neues schreibst …..Die Reinhardswald-Story….guck mal ob du irgendwo Pudingteilchen findest 🙂

    Vile SpaĂź weiter so und Gute Fahrt

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